1. Einleitung
In der modernen Fertigungsindustrie steht die Produktion unter einem permanenten Spannungsfeld: einerseits wächst der Druck zu kleineren Losgrößen und höherer Variantenvielfalt, andererseits müssen Maschinen und Anlagen möglichst produktiv ausgelastet werden. Das zentrale Bindeglied zwischen diesen Anforderungen ist die Rüstzeit – die Zeit, die benötigt wird, um eine Maschine oder Anlage von einem Produkt auf ein anderes umzurüsten.
Lange unterschätzt und als „unvermeidliches Übel” hingenommen, ist die Rüstzeitoptimierung heute ein strategisches Instrument der schlanken Produktion (Lean Manufacturing). Die Fähigkeit, schnell und zuverlässig umzurüsten, entscheidet maßgeblich über Flexibilität, Liefertreue und Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens.
2. Definition der Rüstzeit nach REFA
Nach der REFA-Methodenlehre ist die Rüstzeit (tr) definiert als:
Die Rüstzeit umfasst alle Tätigkeiten, die einmalig vor Beginn und nach Abschluss einer Losfertigung anfallen, unabhängig von der gefertigten Stückzahl.
Sie ist damit eine auftragsabhängige Fixzeit: Sie entsteht genau einmal pro Fertigungsauftrag, egal ob 10 oder 10.000 Stück gefertigt werden.
Abgrenzung zur Ausführungszeit
| Merkmal | Rüstzeit (tr) | Ausführungszeit (te) |
|---|---|---|
| Anfallhäufigkeit | Einmalig je Auftrag/Los | Je Stück (wiederholt) |
| Stückzahlabhängigkeit | Nein (Fixkostencharakter) | Ja (variabel) |
| Wertschöpfung | Indirekt (Vorbereitung) | Direkt |
| Losgröße beeinflusst Stückkostenanteil | Ja (stark) | Nein |
Einfluss der Losgröße auf den Rüstzeitanteil pro Stück
tr (pro Stück) = Gesamtrüstzeit / Losgröße
Beispiel:
Gesamtrüstzeit: 60 min
Losgröße 10: 60 / 10 = 6,00 min/Stück
Losgröße 100: 60 / 100 = 0,60 min/Stück
Losgröße 500: 60 / 500 = 0,12 min/Stück
Dieser Zusammenhang erklärt, warum Unternehmen historisch zu großen Losen tendierten: Je größer das Los, desto geringer der Rüstzeitanteil pro Stück – und desto günstiger die Stückkosten. Der Nachteil sind jedoch hohe Bestände, lange Durchlaufzeiten und fehlende Flexibilität. Die Lösung liegt nicht in größeren Losen, sondern in der Verkürzung der Rüstzeit selbst.
3. Bestandteile der Rüstzeit
Die Rüstzeit ist keine homogene Größe, sondern setzt sich aus mehreren Tätigkeitskategorien zusammen:
3.1 Vorbereitung (Rüsten vor der Fertigung)
- Fertigungsunterlagen (Zeichnungen, NC-Programme, Einrichtepläne) sichten und bereitstellen
- Werkzeuge, Vorrichtungen, Spannmittel identifizieren und holen
- Materialbereitstellung: Rohteile, Halbzeuge, Hilfsstoffe
- Maschine reinigen und für den neuen Auftrag vorbereiten
- Sicherheitsüberprüfungen durchführen
3.2 Umbau und Einstellung (Kernrüstzeit)
- Alte Werkzeuge, Vorrichtungen und Spannmittel ausbauen
- Neue Werkzeuge einbauen und ausrichten
- Maschinenparameter einstellen (Druck, Temperatur, Drehzahl, Hub)
- NC-Programm einlesen, prüfen und ggf. anpassen
- Anschläge, Anreißlinien, Führungen verstellen
3.3 Einstellen und Probelauf
- Erstmuster/Probeteile fertigen
- Maße und Qualitätsmerkmale prüfen und protokollieren
- Korrektureinstellungen vornehmen (Nachstellen)
- Freigabe durch Meister oder QS
3.4 Abräumen (Rüsten nach der Fertigung)
- Maschine reinigen (Späne entfernen, Kühlmittel ablassen)
- Werkzeuge, Vorrichtungen und Dokumente zurückbringen und einlagern
- Restmaterial und Ausschuss entsorgen oder zurückführen
- Auftragsdokumentation abschließen
4. Rüstzeit in der Vorgabezeitberechnung
Die Rüstzeit fließt in die Vorgabezeit (tv) als stückbezogener Anteil ein:
T = te + tr(Stück)
mit:
te = Ausführungszeit (Grundzeit + Erholungszeit + Verteilzeit)
tr(Stück) = Gesamtrüstzeit / Losgröße
Rechenbeispiel:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Ausführungszeit (te) | 4,20 min/Stück |
| Gesamtrüstzeit | 90 min |
| Losgröße | 30 Stück |
tr (Stück) = 90 / 30 = 3,00 min/Stück
tv = 4,20 + 3,00 = 7,20 min/Stück
Bei Losgröße 300:
tr (Stück) = 90 / 300 = 0,30 min/Stück
tv = 4,20 + 0,30 = 4,50 min/Stück
Die Vorgabezeit halbiert sich nahezu – allein durch die zehnfache Losgröße. Noch besser wäre es, die Rüstzeit selbst zu halbieren.
5. Internes und externes Rüsten
Die wichtigste konzeptionelle Unterscheidung in der Rüstzeitoptimierung ist die zwischen internem und externem Rüsten. Diese Unterscheidung ist das Herzstück der SMED-Methodik (siehe Abschnitt 6).
5.1 Internes Rüsten
Internes Rüsten umfasst alle Tätigkeiten, die nur bei stillstehender Maschine durchgeführt werden können.
Die Maschine ist während des internen Rüstens nicht produktiv – sie steht still, produziert nicht und erzeugt keine Wertschöpfung. Jede Minute internes Rüsten ist daher eine Minute verlorene Maschinenkapazität.
Typische interne Rüsttätigkeiten:
- Werkzeug ausbauen und neues Werkzeug einbauen
- Spannvorrichtung tauschen
- Anschläge verstellen
- Probeteil fertigen und messen
- NC-Programm an der Maschine einlesen und testen
5.2 Externes Rüsten
Externes Rüsten umfasst alle Tätigkeiten, die während des laufenden Maschinenbetriebs – also während die Maschine noch das vorherige Los fertigt – vorbereitet werden können.
Die Maschine ist dabei weiterhin produktiv. Externes Rüsten kostet keine Maschinenausfallzeit.
Typische externe Rüsttätigkeiten:
- Fertigungsunterlagen für den nächsten Auftrag bereitstellen
- Werkzeuge und Vorrichtungen für das nächste Rüsten aus dem Lager holen und vorbereiten
- NC-Programm prüfen und auf einem externen Rechner bereitstellen
- Rohmaterial und Hilfsstoffe bereitstellen
- Werkzeuge vorwärmen (z. B. bei Spritzguss)
- Vorrichtungen vorab einstellen und kontrollieren
5.3 Visualisierung: Internes vs. Externes Rüsten
OHNE Trennung (alles intern):
─────────────────────────────────────────────────────────
Fertigung Los A │◄────── Rüsten (alles intern) ──────►│ Fertigung Los B
─────────────────────────────────────────────────────────
│ Maschine STEHT │
MIT Trennung (externes Rüsten vorgezogen):
─────────────────────────────────────────────────────────
Fertigung Los A │◄── int. Rüsten ──►│ Fertigung Los B
◄── externes Rüsten läuft ──►│ │
─────────────────────────────────────────────────────────
│ Stillstand kürzer │
Die Maschinenstillstandszeit sinkt drastisch – nur der interne Rüstanteil verbleibt als tatsächliche Ausfallzeit.
6. SMED – Single Minute Exchange of Die
Die systematische Rüstzeitoptimierung wurde maßgeblich durch Shigeo Shingo geprägt, der in den 1950er bis 1970er Jahren bei Toyota und anderen japanischen Unternehmen Rüstzeiten analysierte und revolutionäre Verkürzungen erzielte. Das Ergebnis seiner Methodik ist SMED (Single Minute Exchange of Die – Werkzeugwechsel im einstelligen Minutenbereich, d. h. unter 10 Minuten).
6.1 Ziel von SMED
Das Ziel ist nicht nur Zeitersparnis, sondern die strukturelle Verkürzung der Maschinenstillstandszeit durch konsequente Trennung und Optimierung der Rüstprozesse. SMED schafft die Voraussetzung für:
- Kleinere Losgrößen ohne Kostensteigerung
- Höhere Produktionsflexibilität
- Reduzierung von Umlaufbeständen
- Kürzere Lieferzeiten und höhere Kundenzufriedenheit
- Senkung möglicher Wartezeiten
6.2 Die vier Phasen des SMED-Prozesses
Phase 0: Ist-Analyse – Beobachten und Dokumentieren
Bevor optimiert werden kann, muss der aktuelle Rüstprozess vollständig und objektiv erfasst werden:
- Videodokumentation des gesamten Rüstvorgangs
- Zeitaufnahme jeder Einzeltätigkeit (Stoppuhr oder automatisch)
- Unterscheidung und Kategorisierung aller Tätigkeiten
Ergebnis: eine vollständige Rüstzeitanalyse mit Tätigkeitsliste und Zeitanteilen.
Phase 1: Trennung von internem und externem Rüsten
Alle bisher als „intern” durchgeführten Tätigkeiten werden kritisch hinterfragt:
„Muss diese Tätigkeit wirklich bei stillstehender Maschine erfolgen – oder könnte sie auch vorher oder nachher erledigt werden?”
Typisch lassen sich in dieser Phase 30–50 % der bisherigen Rüstzeit in externes Rüsten umwandeln – allein durch organisatorische Maßnahmen, ohne technische Investitionen.
Praktische Maßnahmen:
- Checklisten für die externe Vorbereitung einführen
- Werkzeuge und Vorrichtungen vorab auf einem Rüstwagen bereitstellen
- NC-Programme offline vorbereiten und testen
- Materialbereitstellung durch Logistik vorab sicherstellen
Phase 2: Umwandlung von internem in externes Rüsten
Durch technische und organisatorische Maßnahmen werden weitere interne Tätigkeiten eliminiert oder vorgezogen:
- Voreinstellgeräte: Werkzeuge werden außerhalb der Maschine auf Maß voreingestellt (z. B. Werkzeugvoreinstellgerät in der Zerspanung) → kein Nachstellen an der Maschine nötig
- Vorwärmung: Werkzeuge oder Formen werden extern auf Betriebstemperatur gebracht (z. B. Spritzgusswerkzeuge)
- Standardisierung: Spanndurchmesser, Schnittstellen und Aufnahmen werden vereinheitlicht, sodass keine individuellen Einstellvorgänge nötig sind
- Parallele Rüstvorbereitung: Während Maschine A läuft, wird bereits für das nächste Rüsten vorbereitet
Phase 3: Optimierung der verbleibenden internen Rüsttätigkeiten
Die verbleibenden, unvermeidlich internen Tätigkeiten werden durch technische Verbesserungen beschleunigt:
Schnellspannsysteme:
- Statt vieler Schrauben → Bajonettverschlüsse, Exzenterspanner, hydraulische Spannmittel
- Nullpunktspannsysteme (z. B. Schunk, AMF): Werkzeugträger werden in Sekunden positioniert und gespannt
Referenzierung und Positionierung:
- Anschläge, Passstifte und Referenzflächen eliminieren das manuelle Ausrichten
- Maschinen-interne Messtaster übernehmen die Positionserfassung automatisch
Standardisierung der Werkzeugschnittstellen:
- Einheitliche Aufnahmedurchmesser (z. B. SK40 für alle Werkzeuge)
- Werkzeugverwaltungssysteme mit Barcode oder RFID
Visuelle Hilfsmittel:
- Farbmarkierungen, Skalen und Positionsanzeigen ersetzen Messvorgänge
- Einrichteanleitungen mit Fotos und klaren Schritten (statt textheavy Dokumenten)
6.3 Ergebnisse von SMED in der Praxis
Typische Ergebnisse nach konsequenter SMED-Anwendung:
| Branche | Ausgangswert | Nach SMED | Reduktion |
|---|---|---|---|
| Automobilindustrie (Presswerk) | 4 h | 15 min | −94 % |
| Kunststoffspritzguss | 90 min | 12 min | −87 % |
| Lebensmittelproduktion | 60 min | 18 min | −70 % |
| Metallzerspanung | 45 min | 8 min | −82 % |
Diese Zahlen sind keine Ausnahme – sie repräsentieren den Stand der Technik in Unternehmen, die SMED konsequent eingeführt haben.
7. Weitere Methoden und Werkzeuge der Rüstzeitoptimierung
7.1 5S als Grundlage
Die 5S-Methode (Sortieren, Systematisieren, Säubern, Standardisieren, Selbstdisziplin) schafft die organisatorische Voraussetzung für schnelles Rüsten:
- Werkzeuge haben definierte, nahe gelegene Lagerplätze
- Kein Suchen und Beschaffen während des Rüstens
- Ordnung am Arbeitsplatz verkürzt jeden einzelnen Rüstschritt
7.2 Standardisierte Rüstanweisungen (SOP)
Standard Operating Procedures für jeden Rüstvorgang definieren:
- Die exakte Reihenfolge der Schritte
- Einstellwerte und Toleranzen
- Verantwortlichkeiten (wer macht was)
- Prüfkriterien und Freigabeschritte
Standardisierung verhindert Fehler, reduziert Einarbeitungsaufwand und macht Verbesserungen messbar.
7.3 Rüstwagen und Rüstkits
Ein Rüstwagen enthält alle Werkzeuge, Vorrichtungen, Dokumente und Hilfsmittel für einen bestimmten Rüstvorgang – komplett vorbereitet und geprüft, bevor die Maschine stoppt. Der Rüstwagen steht beim nächsten Auftrag schon bereit.
7.4 Paralleles Rüsten (Team-Rüsten)
Statt dass eine Person nacheinander alle Schritte erledigt, arbeiten zwei oder mehr Personen gleichzeitig an verschiedenen Rüsttätigkeiten. Typisch bei komplexen Umrüstungen (Pressen, Druckmaschinen):
Person A: Werkzeug ausspannen → Neues einspannen → Ausrichten
Person B: NC-Programm einlesen → Materialbereitstellung → Reinigung
Durch Parallelarbeit lässt sich die Maschinenstillstandszeit um weitere 30–50 % verkürzen.
7.5 Digitale Unterstützung
Moderne Fertigungssysteme bieten zusätzliche Möglichkeiten:
- MES (Manufacturing Execution System): Plant Rüstaufträge vorausschauend und stellt alle Daten digital bereit
- RFID/Barcode: Automatische Werkzeugidentifikation, keine manuelle Dokumentation
- Digitaler Zwilling: Rüstvorgänge werden am Computer simuliert und optimiert, bevor sie real durchgeführt werden
- Kameragestützte Einrichtehilfe: Augmented-Reality-Anleitung direkt am Maschinendisplay
8. Rüstzeitoptimierung und ihre Auswirkungen auf die Unternehmenslogik
8.1 Entkopplung von Losgröße und Stückkosten
Das klassische Losgrößendilemma lautet: Kleine Lose bedeuten hohe Rüstkostenanteil pro Stück, große Lose bedeuten hohe Lagerkosten. Die optimale Losgröße (nach Andler) ist ein Kompromiss.
Mit sinkender Rüstzeit verschiebt sich dieser Kompromiss radikal: Die wirtschaftliche Mindestlosgröße sinkt. Unternehmen können kleinere Lose wirtschaftlich fertigen – ohne Kostennachteile.
8.2 Verbindung mit Just-in-Time und Kanban
Kurze Rüstzeiten sind die technische Voraussetzung für Just-in-Time-Produktion und Kanban-Systeme. Nur wenn der Wechsel zwischen Produktvarianten schnell und sicher funktioniert, kann eine Fertigung tatsächlich bedarfssynchron produzieren.
8.3 Auswirkung auf OEE (Overall Equipment Effectiveness)
Die Gesamtanlageneffektivität (OEE) misst die tatsächliche Produktivität einer Anlage:
OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität
Rüstzeiten senken direkt die Verfügbarkeit. Jede Minute eingesparter Rüstzeit erhöht die OEE und damit die Wertschöpfung der Anlage.
9. Praxisbeispiel: Rüstzeitoptimierung an einer CNC-Fräsmaschine
Ausgangssituation
Eine CNC-Fräsmaschine wird für verschiedene Werkstücke eingesetzt. Die bisherige Rüstzeit beträgt 75 Minuten. Eine Analyse ergibt folgende Aufteilung:
| Tätigkeit | Dauer | Typ |
|---|---|---|
| Fertigungsunterlagen suchen und holen | 8 min | Intern (war intern) |
| Altes Werkzeug ausbauen | 5 min | Intern |
| Neues Werkzeug einbauen | 7 min | Intern |
| Werkzeug ausrichten (manuell) | 12 min | Intern |
| NC-Programm suchen und einlesen | 6 min | Intern (war intern) |
| Nullpunkt setzen | 8 min | Intern |
| Spannvorrichtung wechseln | 10 min | Intern |
| Probeteil fertigen | 8 min | Intern |
| Probeteil messen und korrigieren | 6 min | Intern |
| Reinigung der Maschine | 5 min | Intern (könnte extern) |
| Gesamt | 75 min |
Optimierungsmaßnahmen
Phase 1 – Externe Verlagerung:
- Fertigungsunterlagen werden vorab durch die Arbeitsvorbereitung bereitgestellt → extern
- NC-Programm wird vorab geprüft und auf dem Rechner bereitgestellt → extern
- Reinigung des vorherigen Auftrags wird zum Ende der Fertigung (letztes Stück läuft) vorgezogen → extern
Phase 2 – Technische Verbesserungen:
- Einführung eines Nullpunktspannsystems: Spannvorrichtung rastet in unter 1 Minute ein → spart 9 min
- Werkzeugvoreinstellgerät: Werkzeuge werden extern auf Maß eingestellt, kein Ausrichten an der Maschine → spart 12 min
- Maschineninterner Messtaster: Nullpunkt wird automatisch gesetzt → spart 8 min
Ergebnis nach Optimierung
| Tätigkeit | Neu | Typ |
|---|---|---|
| Altes Werkzeug ausbauen | 3 min | Intern |
| Neues Werkzeug (voreingestellt) einbauen | 3 min | Intern |
| Nullpunktspannsystem einrasten | 1 min | Intern |
| Automatische Nullpunkterkennung | 1 min | Intern |
| Probeteil fertigen | 5 min | Intern |
| Messen (vereinfacht, da voreingestellt) | 2 min | Intern |
| Gesamt intern (= Maschinenstillstand) | 15 min | |
| Extern (parallel zur laufenden Maschine) | vorgezogen | Extern |
Ergebnis: Maschinenstillstand von 75 min auf 15 min reduziert – eine Verkürzung um 80 %.
10. Zusammenfassung
Die Rüstzeit ist weit mehr als eine betriebliche Nebenzeit – sie ist ein strategischer Hebel für Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
| Aspekt | Kernaussage |
|---|---|
| Definition | Einmalige, stückzahlunabhängige Zeit je Auftrag |
| Internes Rüsten | Nur bei Maschinenstillstand möglich – direkte Kapazitätsverlust |
| Externes Rüsten | Bei laufender Maschine vor-, nachbereitbar – kein Kapazitätsverlust |
| SMED-Ziel | Internes Rüsten minimieren, externes maximieren |
| Wirkung | Kleinere Lose, kürzere Durchlaufzeiten, höhere OEE |
Die Gleichung ist einfach: Wer schnell rüstet, produziert flexibel. Wer flexibel produziert, gewinnt.
Literatur: Shigeo Shingo – „A Revolution in Manufacturing: The SMED System” (1985); REFA-Methodenlehre der Betriebsorganisation, Teil 2; Womack/Jones – „Lean Thinking” (1996); VDI-Richtlinie 3423 (OEE)