Erfahrungsbericht · September 2026 · ca. 5 Minuten Lesezeit
1. Ausgangslage
Der Materialtransport zwischen Übertage und den untertägigen Abbau- und Betriebsbereichen ist das logistische Rückgrat jedes Bergwerksbetriebs. Im Zentrum steht dabei das sogenannte Förderspiel: der vollständige Transportkreislauf des Fördermittels – in der Regel bestehend aus Fördermaschine und Seilfahrtförderkorb – zwischen der Übertageanlage und den Abbaubereichen unter Tage. Jede Optimierung, jede Kapazitätsplanung und jede wirtschaftliche Bewertung der Materiallogistik steht und fällt mit einer präzisen Kenntnis der tatsächlich anfallenden Zeiten in diesem Kreislauf.
Genau hier setzte das vorliegende Projekt in einem Salzbergwerk an: Bestehende Vorgabezeiten für das Förderspiel sollten auf eine methodisch abgesicherte, aktuelle Datenbasis gestellt werden, um sowohl die Kapazitäts- und Schichtplanung als auch die betriebliche Wirtschaftlichkeit auf ein solides Fundament zu stellen.
2. Projektziel
Ziel des Projekts war die vollständige und methodisch gesicherte Erfassung aller Zeitanteile, die im Rahmen des Förderspiels für den Materialtransport anfallen. Im Einzelnen verfolgte das Projekt drei zentrale Schwerpunkte:
- Erfassung aller Grundzeiten des Förderspiels, einschließlich Fahrzeit, Belade- und Entladezeiten sowie Wartezeiten an den Füllörtern,
- Ableitung realistischer Vorgabezeiten als verlässliche Planungsgrundlage für Kapazitäts- und Schichtplanung,
- Identifikation von Optimierungspotenzialen im Transportprozess auf Basis der gemessenen Zeitanteile.
Die gewonnenen Ergebnisse sollten dem Bergwerksbetrieb als Grundlage für die Überarbeitung der bestehenden Vorgabezeiten dienen und zugleich die Basis für eine ergonomisch wie wirtschaftlich optimierte Betriebsplanung im Untertagebereich bilden.
3. Projektinhalt
Inhaltlich umfasste das Projekt die systematische Analyse des gesamten Transportprozesses zwischen Übertage und Untertage mittels REFA-Zeitstudien. Im Mittelpunkt stand dabei die lückenlose Erfassung der Transportzeiten entlang des vollständigen Förderspiels:
- die Beladung am Füllort unter Tage,
- die Förderfahrt vom Füllort untertage bis zur Übertageanlage,
- die Entladung übertage,
- sowie die anschließende Rückfahrt in den Untertagebereich.
Aus der Verknüpfung dieser Einzelzeiten ließ sich das vollständige Förderspiel für die gesamte Materiallogistik des Bergwerks abbilden – von der ersten Beladung bis zum Abschluss eines vollständigen Transportzyklus.
4. Vorgehensweise
Die Untersuchung folgte konsequent der REFA-Methodenlehre für Zeitstudien und gliederte sich in vier aufeinander aufbauende Phasen.
1. Vorbereitungsphase
In der Vorbereitungsphase wurden zunächst gemeinsam mit Betriebsleitung, Reviersteiger und Fördermaschinenführern alle relevanten Transportprozesse analysiert und in einem übersichtlichen Ablaufschema dokumentiert. Ziel dieser Phase war die eindeutige Abgrenzung der einzelnen Zeitabschnitte sowie die exakte Festlegung der Messpunkte – also des jeweiligen Anfangs- und Endzeitpunkts jedes Teilprozesses. Im Einzelnen umfasste diese Phase:
- die Erstellung detaillierter Ablaufschemata für alle Phasen des Förderspiels,
- die Definition der Messgrößen und Zeitabschnittsabgrenzungen gemäß REFA-Methodik,
- sowie die Schulung der Zeitnehmer in den spezifischen Bedingungen des Untertagebaubetriebs – eine besonders wichtige Voraussetzung angesichts der besonderen sicherheitstechnischen und betrieblichen Rahmenbedingungen unter Tage.
2. Messgrößen und Datenerfassung
Für die eigentliche Zeitaufnahme wurden folgende Messgrößen berücksichtigt:
- Förderfahrzeiten – die reine Fahrzeit des Förderkorbs zwischen Übertage und Untertage,
- Belade- und Entladezeiten – die Zeiten für das Be- und Entladen des Fördermittels an den jeweiligen Füllörtern und an der Übertageanlage,
- Störzeiten – ungeplante Unterbrechungen und Wartezeiten, die den regulären Ablauf des Förderspiels beeinflussen.
Mittels standardisierter REFA-Zeitstudienverfahren wurde der Transportprozess über den gesamten Zyklus des Förderspiels hinweg überprüft und systematisch dokumentiert. Durch die konsequente Trennung der einzelnen Zeitarten – Grundzeit, Wartezeit, Störzeit – entstand ein differenziertes Bild davon, wo im Förderprozess tatsächlich Zeit für den reinen Transport aufgewendet wird und wo betriebliche oder organisatorische Wartezeiten den Ablauf verzögern.
3. Neubewertung des Transportprozesses
Auf Basis der erhobenen Daten wurde der gesamte Transportprozess mittels REFA-Zeitstudien neu bewertet. Die gemessenen Grundzeiten bildeten dabei die Grundlage für eine Überprüfung der bislang gültigen Zeitannahmen und ermöglichten eine realistische, empirisch abgesicherte Einschätzung der tatsächlichen Prozessdauer des Förderspiels.
4. Ableitung neuer Vorgabezeiten
Auf Grundlage der gemessenen Grundzeiten wurde dem Bergwerksbetrieb eine Anpassung der Vorgabezeiten für das Förderspiel vorgeschlagen. Die ermittelten Daten dienten dem Kunden anschließend unmittelbar zur Neuplanung der Kapazitäten sowie als Grundlage für eine belastbare betriebliche Kalkulation.
5. Bedeutung für den Betrieb
Die im Rahmen dieses Projekts erhobenen Daten haben für den Bergwerksbetrieb eine doppelte Bedeutung: Zum einen schaffen sie eine aktuelle, methodisch abgesicherte Grundlage für die Kapazitäts- und Schichtplanung im Untertagebetrieb – ein Bereich, in dem präzise Planung sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sicherheitstechnischen Gründen von zentraler Bedeutung ist. Zum anderen liefern sie konkrete Ansatzpunkte, um Wartezeiten an den Füllörtern zu reduzieren und den gesamten Förderprozess ergonomisch wie wirtschaftlich zu optimieren.
Gerade die klare Trennung zwischen reinen Förderfahrzeiten, Belade-/Entladezeiten und Störzeiten erlaubt es dem Betrieb, gezielt an den tatsächlichen Ursachen von Verzögerungen anzusetzen, statt pauschale Zeitpuffer anzunehmen.
6. Fazit
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich auch unter den besonderen Rahmenbedingungen eines Untertagebetriebs mithilfe der REFA-Methodik ein komplexer, sicherheitsrelevanter Transportprozess wie das Förderspiel präzise erfassen und bewerten lässt. Durch die enge Einbindung von Betriebsleitung, Reviersteiger und Fördermaschinenführern bereits in der Vorbereitungsphase sowie die konsequente methodische Vorgehensweise über alle vier Projektphasen hinweg konnte eine belastbare, praxisnahe Datenbasis geschaffen werden.
Die daraus abgeleiteten, überarbeiteten Vorgabezeiten bilden nun das Fundament für eine realistischere Kapazitäts- und Schichtplanung und liefern dem Salzbergwerk zugleich eine fundierte Grundlage für zukünftige betriebliche Kalkulationen – ein wichtiger Schritt hin zu einer noch effizienteren und wirtschaftlicheren Materiallogistik im Untertagebergbau.
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